Schlappentag 2020

Ein historischer Tag für Hof

Nachdem wegen der Corona-Pandemie der diesjährige Schlappentag leider nicht in gewohnter Form stattfinden kann, haben sich die Verantwortlichen aus Schützen, Brauerei, Handwerk, Stadtmarketing und Stadt Hof dazu entschieden, auf die besondere Tradition dieses Tages hinzuweisen. In einem Pressegespräch, unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygienevorschriften, berichteten die Akteure über die historischen Parallelen dieses für Hof so wichtigen Tages. Genauso wie die Menschen, die sich vor beinahe 600 Jahren den katastrophalen Zuständen der Hussitenstürme ausgesetzt sahen und sich davon am Ende nicht unterkriegen ließen, zeigt Hof durch den heutigen 588. Schlappentag, dass wir uns auch von einem Virus nicht entmutigen lassen!

Leider musste das Pressegespräch in diesem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Der Oberbürgermeisterin Eva Döhla ist es aber wichtig, dass die Tradition des Hofer Schlappentages für die Stadt Hof auch 2020 entsprechend gewürdigt wird.

Als Konstante erklang der traditionelle Weckruf vom Dach der Michaeliskirche und aus den Fenstern des Hofer Rathauses. Moderator Adrian Roßner gab einen kurzen Einblick in die Geschichte des Schlappentages, der sehr eng mit den Hussitenstürmen von 1430 verbunden ist. Die Anhänger des böhmischen Reformators Jan Hus waren - fünfzehn Jahre nach dessen Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen - auch durch die Hofer Region gezogen und legten die Landschaft in Schutt und Asche. Um solche Überfälle zukünftig vermeiden zu können, wurde in Hof eine verpflichtende Schießübung eingeführt, die als Grundlage des Schlappenschießens gilt. Auf die historischen Hintergründe des Schießens verwies Günter Hornfeck, Oberschützenmeister der Privilegierten Scheiben Schützen Gesellschaft Hof 1432 e.V.: „Da die Hofer Bürger ihrer Pflicht meist erst am letzten möglichen Tag nachgekommen sind, liefen sie in hölzernen Schuhen, den „Schlappen“, beim Anger auf.“ Im 19. Jahrhundert hatte sich aus dieser Tradition das gesellige Zusammensein entwickelt, das bis heute im Zentrum des „Schlappentags“ steht. „Auf das Fest muss in diesem Jahr leider ebenso verzichtet werden, wie auf das Schießen und den Umzug“, bedauerte Schützenmeister Lars Neumann. Der amtierende Schlappenkönig, Dieter Gelbrich, behält bis zum nächsten Jahr seinen Titel. Kreishandwerksmeister Christian Herpich verwies auf die lange Tradition des stolzen Hofer Handwerks, das sich seit dem 15. Jahrhundert etabliert hat: So gilt die Steinhauer- und Maurerbrüderschaft von 1450 bis heute als älteste, bestehende Handwerkerzunft. Der Schlappentag ist auch damit eng verbunden. Immerhin waren es einst vor allem die Bürger und Handwerksmeister, die beim Schießen zusammengekommen sind. Als Belohnung für die Schießübungen gab es Bier, das schon seit dem 14. Jahrhundert in Hof eingebraut werden durfte. Im 16. Jahrhundert war die Stadt schließlich Spitzenreiter im Markgraftum Brandenburg/Kulmbach, was den jährlichen Ausstoß betraf. Braumeister Günther Spindler sieht auch das Schlappenbier in dieser langen Tradition stehen. Das Schlappenbier gibt es ab sofort im Handel und der Gastronomie. Oberbürgermeisterin Eva Döhla ist stolz darauf, dass der Schlappentag als Handwerker- und Schützenfest im Dezember 2019 Aufnahme in die bayerische Landesliste des immateriellen Kulturerbes gefunden hat und dankte allen am langwierigen Prozess Beteiligten.

Zum Abschluss des Pressegesprächs konnte Adrian Roßner mit einer kleinen Sensation aufwarten: Nach langer Recherche und mit der Unterstützung des Staatsarchivs Bamberg ist es gelungen, eine historische Abschrift eben jenes Freibriefs aufzufinden, die 1430 den Hofern Steuerfreiheit auf zehn Jahre versprach, um die Schäden des Hussitensturms beseitigen zu können. Dieser Umstand gilt als Ursprung des Schlappentages.

Alle Akteure freuen sich schon, den 589. Hofer Schlappentag 2021 wieder in gewohnter Weise begehen zu dürfen.

Weitere Informationen zum Hofer Schlappentag hier

Bild v.l.: Kurt Unverdorben (Prokurist Brauerei Scherdel), Lars Neumann (Schützenmeister), Günther Spindler (leitender Braumeister Brauerei Scherdel), Christian Herpich (Kreishandwerksmeister), Günter Hornfeck (Oberschützenmeister), Oberbürgermeisterin Eva Döhla (Stadt Hof), Peter Nürmberger (Fachbereichsleiter Kultur Stadt Hof), Adrian Roßner (Historiker);

Kontakt

Privilegierte Scheiben-Schützen-Gesellschaft in Hof 1432 e.V.
Günter Hornfeck
Wölbattendorferweg 63
95030 Hof

Telefon  +49 (0)9281 67280
  info@scheibenschuetzen-hof.de
Icon Internet  www.scheibenschuetzen-hof.de

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