Bezeichnungen

„Reichskristallnacht“ und „Reichspogromnacht“

Woher die Bezeichnung „Reichskristallnacht“ stammt, ist nicht definitiv geklärt. Manche führen sie auf die zahlreichen Fensterscheiben zurück, die damals zerstört wurden und deren Scherben die Straßen bedeckten. Das Wort sei eine im Berliner Volksmund entstandene ironische Beschreibung der offiziell als „spontane Antwort des deutschen Volkes“ ausgegebenen Aktionen. In der jüngeren Diskussion wird stattdessen oft das Wort „Reichspogromnacht“ benutzt, weil man unterstellt, der Ausdruck „Reichskristallnacht“ sei von den Nationalsozialisten erfunden worden und verharmlose das Geschehen, das über bloßes Einschlagen von Schaufensterscheiben weit hinausging.

Unter einem Pogrom (der oder das Pogrom) versteht man eine gewaltsame Ausschreitung gegen Minderheiten, die nationalistisch, religiös oder rassistisch motiviert ist. Pogrome wurden vielfach von der Obrigkeit geduldet oder angestiftet. Im engeren Sinne wird das Wort auf Ausschreitungen gegen Juden angewandt. Während die Judenverfolgungen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit weitgehend dem Pogrommuster folgten, trifft dies auf die nationalsozialistischen Aktionen im November 1938 nicht zu. Bei ihnen handelte es sich – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – nicht um „Ausschreitungen“ der Bevölkerung, wie die Nationalsozialisten behaupteten, sondern um eine vom Staat nicht allein initiierte und gelenkte, sondern ebenfalls von Staatsorganen (Polizei, Gestapo) sowie halbamtlichen Handlangern (NSDAP, SA, SS) durchgeführte Aktion.

Schließlich belegen die Ereignisse in Hof, dass ihre Deklarierung als nächtliche, die in beiden Bezeichnungen enthalten ist, nur bedingt stimmt. Es handelte sich weder um ausschließlich nächtliche Aktionen, die vielmehr überwiegend bei vollem Tageslicht stattfanden, noch um eine einzelne Nacht, sondern um eine Abfolge von Aktionen während mehrerer Tage.

Beide bisherigen Titulierungen der Ereignisse sind also unzutreffend. In der Geschichtswissenschaft und im allgemeinen Sprachgebrauch haben sich aber noch keine präziseren Sprachregelungen durchgesetzt. Deshalb wird hier trotz aller berechtigten Einwendungen der nach wie vor verbreitetste Ausdruck für die Ereignisse des Novembers 1938 benutzt: Reichskristallnacht.

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