Dokument 13

Dokumente vom 11. bis 13.11.1938

Hofer Anzeiger vom 11.11.1938

Bericht Hofer Anzeiger vom 11.11.1938

Hofer Anzeiger vom 12.11.1938

Bericht Hofer Anzeiger vom 11.11.1938

Bericht Hofer Anzeiger vom 11.11.1938

Aus dem Tagebuch des Hans Dittmar, Hof, zum 11.11.1938 (Stadtarchiv Hof, M 105, Heft 20, S. 26ff)

Hans Dittmar wurde am 16.11.1872 in Geroldsgrün geboren. Er wuchs in Geroldsgrün und Kulmbach auf und ergriff den Beruf des Kaufmanns, den er an wechselnden Orten ausübte. In Dresden und ab 1919 in Hof betrieb er ein Geschäft für Laden- und Schaufenster-Einrichtungen. Im Jahr 1936 ging er in Hof in den Ruhestand. Er starb am 18.12.1961 in Hof. (Stadtarchiv Hof, L/D8.)

„Heute wird bekannt, daß nachdem der Gesandtschaftsrat v. Rath seinen Verletzungen erlegen ist, wüste Terror-Akte gegen die Judengeschäfte in allen Städten, wo sich solche befinden schlagartig eingesetzt haben. Auch hier in Hof wurden solche ausgeführt und zwar im Kaufhaus Ury, wo sämtliche Auslagescheiben zertrümmert wurden und im Schuhhaus Bottina wo man ein viele Meter langes Transparent kurz und klein geschlagen hat. Außerdem drang man in den Judentempel ein, warf alles Inventar auf die Straße und zündete es an. Diese Verwüs-tungen gingen alle am Donnerstag früh von 6-7 Uhr vonstatten, es ist also nach einem von oben ausgegebenen Plan ‚gearbeitet‘ worden, so daß man nicht von einer spontanen Aufwallung der deutschen Volksseele sprechen kann. Die Ausschreitungen sind überall gleicher Art, was nicht der Fall wäre, wenn jeder nach eigenen Antrieben gehandelt hätte. Jeder, mit dem man darüber spricht, ist empört über diese Lust am Vernichten, die durchaus nicht der Parole: Kampf gegen den Verderb‘ entspricht, da hier ja riesige Werte des Volksvermögens zugrunde gegangen sind. Streicher sagte bei einer Kundgebung in Nürnberg, daß diese Ausschreitung nicht organisiert gewesen seien, denn wären sie organisiert gewesen, dann wäre es noch ganz anders zugegangen. Das ist natürlich eine Streichersche Schönfärberei, aus der eben gerade hervorgeht, daß die Sache organisiert war. Es war genau angegeben, daß die Verwüstung bis zu dem und dem Umfang auszuführen ist und nicht weiter. Wäre die Sache ohne Wissen der Polizei vor sich gegangen und nicht von oben herab anbefohlen gewesen dann wäre sicher die Polizei eingeschritten und Streicher hätte nicht noch das Lob den Mannschaften dieser Exekution aussprechen dürfen, ‚daß sie sich überaus diszipliniert, klug und weitblickend benommen hätten‘. Am Tage nach dem Geschehen hat Goebbels ein offizielles Telegram losgelassen, nicht etwa des Inhalts, daß er diese Ausschreitungen verurteilt und daß er die Täter ihrer Strafe zugeführt wissen will, sondern daß es bei diesen Wutausbrüchen sein Bewenden haben soll. Die deutsche Regierung würde auf die Pariser Tat legal, aber hart antworten. – Diese legale, aber harte Antwort hätte die Regierung gleich geben können, ohne daß diese illegalen Ausschreitungen hätten vorkommen dürfen. Jetzt braucht man sich nicht zu wundern, wenn die ausländischen Zeitungen und nicht nur die Judenpresse Deutschland des gemeinen Vandalentums bezichtigen. So etwas ist Deutschlands unwürdig und es stellt sich mit dieser fanatischen Rache auf die gleiche Stufe wie der jüdische Mörder. Dieser hat nichts gewonnen für seine Tat: was hat Deutschland davon gewonnen? Sicher auch nichts. Man hat bei uns immer davon gesprochen, daß die jüdische Kultur und die jüdische Religion uns gar nichts angehe, nicht dieser gelte der Kampf, sondern der Rasse. Aber wie stimmt das überein mit der Demolierung der Judentempel und Synagogen? Wird man das im Ausland nicht besonders registrieren? Und welcher Pharisäismus liegt dann doch auch in den Worten Streichers: ‚Die, die vor 2000 Jahren Golgatha schufen und Christus mitleidlos hinmordeten, verdienen unser Mitleid nicht.‘ Was will ein Streicher mit solchen Worten? Man darf wohl annehmen, daß er den Mythos Rosenbergs gelesen hat, und dort sieht man doch, daß dieser Judensproß auch keine größere Achtung genießt und nicht besser ist, als jeder andere Jude. Warum also jetzt dieses Mitleid um das Hinmorden des christlichen Heilands?! Streicher wird wohl, wie andere Größen der Partei, aus der Kirche ausgetreten sein und von der ‚Christuslegende‘ auch nichts mehr halten! Muß man deshalb die Zitierung von Golgatha nicht als ekelhaft empfinden?“

(Aus dem Tagebuch des Paul Held (Stadtarchiv Hof, N 13/5).)

Paul Held wurde am 11.12.1887 in Lichtenau bei Ansbach geboren. Er wirkte als Lehrer in Wunsiedel, von wo er 1934 nach Neustadt bei Coburg versetzt wurde, weil er sich als langjähriges aktives Mitglied der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP) bei den Nationalsozialisten unbeliebt gemacht hatte. Auf eigenen Wunsch kam er von dort im April 1936 als Lehrer nach Hof. Von 1946 bis 1952 war er Stadtschulrat und Schulreferent in Hof, zum 1.1.1953 ging er in den Ruhestand. Er starb am 29.3.1971 in Hof. (Stadtarchiv Hof, L/H 13.)

Aus dem Tagebuch des Paul Held (Stadtarchiv Hof, N 13/5)

Aus dem Tagebuch des Paul Held (Stadtarchiv Hof, N 13/5)

Kontakt

Stadtarchiv
Unteres Tor 9
95028 Hof

Telefon  +49 (0)9281 815 1620 oder 1621
Telefax +49 (0)9281 815 1629
  archiv@stadt-hof.de

Öffnungszeiten

Montag 14 - 16 Uhr
Dienstag, Mittwoch und Freitag
8 - 11:45 Uhr
Donnerstag 8 - 11:45 Uhr und
14 - 16 Uhr

Die Bestände A 2, BH, BS, BZ, C, FI, KP, MIK-S, N, O, UN und Z befinden sich in einem Außendepot. Zur Benutzung ist eine Vorbestellung im Stadtarchiv nötig.

Geschichte und Geschichten

Zehn Spaziergänge durch die Hofer Vergangenheit.
Mehr...

 

Die Reichspogromnacht in Hof

von Dr. Arnd Kluge, Stadtarchiv Hof
Mehr...

Hofer Geschichtswege

Jean Paul im Stadtarchiv Hof

Informationen über Unterlagen zu Jean Paul finden Sie hier

Der Hofer Wartturm

von Dr. Arnd Kluge, Stadtarchiv Hof
Mehr...