Hofer Fassadenwettbewerb

„Hof bekennt Farbe“

Die Stadt Hof hat im Jahr 2017 ihren Fassadenwettbewerb „Hof bekennt Farbe“ zum 45. Mal durchgeführt. Bewertet wurden Fassadenerneuerungen, die zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2017 ausgeführt bzw. abgeschlossen wurden. Am 14.9.2018 sind die eingereichten 40 Fassaden und auch einige eigene Entdeckungen der Jury im gesamten Stadtgebiet bewertet worden. Die Gewinner wurden nun im Rahmen der Oberfrankenausstellung von Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner und der Jury ausgezeichnet.

Reicher gründerzeitlicher Schmuck oder Jugendstilelemente können es leichter machen, ein Haus ansprechend zu sanieren. Dagegen müssen schmucklose Bauten zwangsläufig ins Hintertreffen geraten, wenngleich dort meist erheblich größere Anstrengungen nötig sind. Ein besonderes Augenmerk richtete die Jury deshalb heuer auf Gebäude, bei denen es nicht auf den ersten Blick offensichtlich war, wie eine Fassadensanierung aussehen muss. Auch hier zeigt sich, dass eine gute Beratung des ausführenden Malermeisters oder der Fachleute im Bereich der Stadtplanung und des Sanierungsträgers, die auch Nachbarschaftsbeziehungen und weitere Entwicklungen im Blick haben, sehr hilfreich bei der Bewältigung von Sanierungsaufgaben sind.

Einzelne können ganze Straßenzüge verunstalten. Aber Einzelne können eben auch dazu beitragen, dass ein Gesamtkonzept gelingt. Gute Beispiele und gute Beratung helfen, die Stadt schöner und lebenswerter zu machen und das Gesamtbild aufzuwerten. Dazu helfen auch die Fassadensanierungen, wenn sie anerkannten Regeln von Farbgebung und Gestaltung folgen. Dass dabei Individualität dennoch möglich ist, führt der diesjährige Wettbewerb wieder überzeugend vor. Besonderen Herausforderungen sind die Eigentümer von Mietwohnungsanlagen der Nachkriegszeit ausgesetzt, weil die schmucklose Bauweise zunächst wenig Anknüpfungspunkte für farbliche Hervorhebungen bietet. Zudem wird durch die heutige Wärmedämmung der Wandaufbau erheblich dicker, so dass tiefe Fensterlaibungen, regelrechte Fensterhöhlen entstehen.

Leider musste die Jury bei ihrer Rundfahrt auch feststellen, dass schlechte Beispiele ebenso Nachahmer finden wie gute. Die ästhetische Qualität eines Gebäudes, einer Straße und einer ganzen Stadt ist ein Standortvorteil, der zwar nur wenigen Menschen sofort bewusst ist, aber von den meisten empfunden wird. Letztlich prägen Fassaden den Charakter des Ortes sichtbar. Die anerkannten Regeln der Gestaltung sollten auch bei einer Fassadenrenovierung beachtet werden. Die individuellen Züge eines Hauses wie Fenster und ihre Laibungen, Gesimse und Sockel, aber auch die Beziehung zur Nachbarschaft oder zur ganzen Straße sind hierfür wichtige Kriterien.

Die Platzverteilung fiel folgendermaßen aus:

1. Preis (500 €)

Diese Sanierung wurde durch die Jury hinzugenommen.

Kreuzsteinstraße 14
Eigentümer: Daniel Sölch
Maler: Frieser, Bad Lobenstein
Begründung: Der Inhaber hatte sich nicht beworben. Die Jury wurde aber durch eigene Beobachtung aufmerksam. Der an sich bereits reiche Schmuck des Gebäudes wurde behutsam hervorgehoben. Fensterfaschen, Fensterbrüstungen und Schmuckelemente über den Fenstern werden hell abgesetzt und damit dezent betont. Das Haus drängt sich nicht auf, sondern wirkt durch die innewohnende Schönheit, die noch aus der Bauzeit stammt. Die repräsentative Eingangssituation mit der alten Türe wurde beibehalten. Neuere Ergänzungen wie die Dachgauben sind modern in Blech verkleidet und treten nach einer Abwitterungs­phase sicher noch mehr zurück.

2. Preis (300 €)

Bismarckstraße 26 (Am Strauß)
Eigentümer: Richard Schrepfer
Maler: Pittelkow, Hof,  und Schmidtlein, Feilitzsch
Begründung: Das zweigeschossige Gebäude liegt im Bereich des Rahmenplans Kernstadt und ist Anfangs- bzw. Endpunkt des sogenannten Hofer Rückgrats. Somit kommt der Immobilie eine besondere städtebauliche Wertung aufgrund ihrer Lage zu. Eine früher unstrukturierte Wirkung durch riesige Schaufenster und ein schweres Vordach wurde mit Geschick und durch Verzicht wieder ansehnlich. Harmonische Fenstergrößen dürften dem Haus als Gaststätte auch im Innenraum zugutekommen. Leichte Markisen genügen für den Sonnenschutz der Außensitzplätze und fallen in der längeren Zeit, in denen sie gar nicht benötigt werden, durch eine geschickte farbliche Anpassung der Kassetten kaum auf. Das freundliche Blau des an sich schmucklosen Hauses drängt sich gegenüber der Nachbarschaft nicht auf. Insgesamt der gewinnt der ganze Platz dadurch.

3. Preis (250 €)

Wörthstraße 7
Eigentümer: Beate Franz und Karin Charbonnel
Maler: Pittelkow, Hof
Begründung: Im an Gründerzeitgebäuden reichen Bahnhofsviertel hat sich in den letzten Jahren viel getan. Diese Sanierung reiht sich bestens ein, weil die Optik der Nachbargebäude aufgenommen wurde. Wie es sich gehört, wurden die wenigen Schmuckelemente herausgearbeitet, aber nicht über Gebühr betont. Die helle Grundfarbe harmoniert mit den dunkleren Elementen im Sockel und einer Außenecke, Die Fenster und Türen wirken durch die weißen Fenster- und Türfaschen freundlich.

Weitere Preise (150 €):

Töpfergrubenweg 3-5
Eigentümer: Eigentümergemeinschaft, vertreten durch WEG Verwaltungs GmbH
Maler: Herbert Kreutzer GmbH, Hof
Begründung: Das Mietwohnungsgebäude wurde mit freundlichen Orange- und Gelbtönen versehen. Gleichzeitig wurden die Fensterlaibungen hell belassen. Die durchaus kräftige Farbgestaltung harmoniert hier aber bestens mit der Nachbarschaft. Das kleine Viertel im Rücken der AOK gewinnt dadurch an Charakter.

Ernst-Reuter-Straße 24
Eigentümer: Inge Rieß
Maler: Reiss, Hof
Begründung: An der innerstädtischen Magistrale gelegen heischt das Haus einerseits Aufmerksamkeit. Aber dennoch orientiert es sich am Nachbarn. Hoffentlich finden sich Nachahmer in der betreffenden Häuserzeile, die den begonnen Weg, sich anzupassen, aufnehmen. An der vielbefahrenen Straße kann das mehrgeschossige Gebäude eine kräftige Farbgebung vertragen, die hier aber in sich mit den hellen Fensterlaibungen und einem hellen Gesims sehr schön harmonieren. Der Natursteinsockel wurde belassen.

Lehmgrubenweg 6 + 8
Eigentümer: Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft Hof eG
Maler: Herbert Kreutzer GmbH, Hof
Begründung: Auch diese Wohnanlage wurde behutsam saniert. Eine harmonische Farbgebung ohne grelle Hervorhebungen fügt sich gut in die parkähnliche Umgebung ein. Gegen das Grün der zahlreichen Bäume zu konkurrieren, wird erst gar nicht versucht. Das vorhandene Haus ist so, wie es eben ist. Damit umzugehen kann sehr leicht misslingen, weil zu viel gewollt wird. Bescheidenheit ist hier eine Zier und kommt in diesem Fall bestens zu Wirkung.

Sonderpreis ohne Dotierung:

Blockheizkraftwerk Luisenburgstraße
Betreiber: HEW HofEnergie+Wasser GmbH
Maler: Herbert Kreutzer GmbH, Hof
Begründung: Hier ist bei einem profanen Bauwerk künstlerischer Anspruch sichtbar. Exakte Farbmischungen, saubere Abstufungen und auch die unprätentiöse Einbeziehung des Firmenamens zeigen, dass es sich um ein funktionales Gebäude handelt. Man könnte mit etwas Pathos sagen, dass notwendige Technik menschlich vermittelt wird. Die zwei Seiten in Wellblechoptik und die farbigen Wandscheiben harmonieren sehr schön. Damit wird auch die Umgebung positiv beeinflusst.

Sonderpreis des Verschönerungsvereins Hof (150 €):

Kreuzsteinstraße 14
Eigentümer: Daniel Sölch (Sanierung wurde durch die Jury hinzugenommen)
Maler: Frieser, Bad Lobenstein

Die Jury:
Ute Mühlbauer, Fachbereichsleiterin Stadtplanung
Klaus Greim, Architekt, GHSW Architekten, Hof
Davor Tepez, Architekt, früherer Leiter der Stadtplanung
Peter Hetz, Verschönerungsverein – Verein der Freunde Hofs e.V.
Peter Nürmberger, Fachbereichsleiter Kultur

Für den nächsten Hofer Fassadenpreis 2018 kommen Fassadenrenovierungen in die Wertung, die zwischen 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2018 durchgeführt wurden.


Einige der Preisträger mit Teilen der Jury: Peter Nürmberger (l., Leiter Kulturamt Stadt Hof) und von rechts Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner, Ute Mühlbauer (Leitung Stadtplanung), Peter Hetz (Verschönerungsverein – Verein der Freunde Hofs e.V. )

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