Armin-Sandig-Preis geht an den Berliner Maler Hermann Rudorf

Ausstellung in der Freiheitshalle

25.02.2021

Zum ersten Mal wird der mit 5.000 Euro dotierte Armin-Sandig-Preis für Malerei und Zeichnung vergeben. Er geht an den Berliner Maler Hermann Rudorf, den Nachwuchspreis über 1.500 Euro erhält Lena Ader. 650 Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Arbeiten eingereicht. Knapp 100 ausgewählte Werke von 29 Künstlerinnen und Künstlern werden ab dem 26. Februar 2021 in der Freiheitshalle ausgestellt und sind zusätzlich in einer virtuellen Online-Ausstellung zu sehen.

Die Stadt Hof und der Kunstverein Hof e.V. hatten zur Teilnahme am Wettbewerb aufgerufen, der an den 1929 in Hof geborenen Maler Armin Sandig erinnert. Maßgeblich unterstützt wurde das Projekt von der Armin Sandig Stiftung aus Hamburg, wo der 2015 verstorbene Namensgeber seit 1951 lebte und arbeitete. Die Preisgelder werden von der Dr. Hans Vießmann-Stiftung zur Verfügung gestellt.

Im Großen Foyer und im Foyer des Festsaals der Freiheitshalle werden ab dem 26. Februar knapp 100 Werke von 29 Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt, auch wenn derzeit noch kein Besuch möglich ist. Damit die Werke trotzdem betrachtet werden können, ist die Ausstellung ab 26. Februar, vorerst in Form einer 3D-Animation zu sehen, die auf den Internetseiten der Stadt Hof und der Freiheitshalle sowie über Social Media erreichbar ist.

Zum Ausstellungsrundgang kommen Sie hier.

Oberbürgermeisterin Eva Döhla unterstreicht die Bedeutung von Ausstellungen auch in Pandemiezeiten: „Ohne Kunst und Kultur gibt es kein menschliches Miteinander. Menschsein entsteht und formt sich erst durch kulturelle Leistung und Teilhabe.“

In der ersten Märzhälfte wird der Katalog fertiggestellt werden, in dem alle Arbeiten abgebildet sind; er kann über den Buchhandel bestellt werden.

Oberbürgermeisterin Eva Döhla betont in ihrem Beitrag zum Ausstellungskatalog: „Mit der Auslobung des Armin-Sandig-Preises kann es gelingen, den Namen des Künstlers insbesondere in der Welt der zeitgenössischen Malerei und Zeichnung als Impulsgeber und Qualitätssiegel zu verankern.“

Die Preise werden den beiden Künstlern überreicht, sobald persönliche Treffen mindestens in einem kleinen Rahmen wieder erlaubt sind und ein Termin festgelegt ist.

„Wir hoffen sehr, dass das in der Laufzeit der Ausstellung bis zum 18. April 2021 möglich ist“, erklärt der Hofer Kulturamtsleiter Peter Nürmberger. Sollte es Lockerungen geben, sei man sofort startklar.

Über den Preisträger Hermann Rudorf

Der Hofer Kulturjournalist Ralf Sziegoleit schreibt im Katalog über Hermann Rudorf, den Empfänger des Hauptpreises: „Er wurde 1956 in Hof geboren, studierte in Nürnberg bei Ernst Weil — der 1948 zusammen mit dem damals 19-jährigen Armin Sandig in Hof ausgestellt hatte — und in Berlin bei den Künstlern Herbert Sturm und Allen Jones. Seine erste Ausstellung absolvierte Rudorf 1980 in einer Kulturkneipe, dem Galeriehaus in Hof. Als er fünf Jahre später bei den ,Neuen Wilden‘ gelandet war und neben Landschaften auch Figuren zeigte — grell, aufgewühlt, dramatisch —, betonte er, das Motiv sei im Grunde nur Vorwand. Ein Baum, der im Mittelpunkt eines Bildes stehe, sei einfach als Diagonale zu sehen, als Element der Komposition. Diesem Prinzip blieb er über die Jahrzehnte hinweg treu. Aber seine Bilder veränderten sich. Sie waren mal grau und mal bunt, mal figürlich und mal gegenstandslos, mal sehr groß und mal sehr klein. In ,Farbräumen‘, die er im Jahr 2000 vorstellte, brachte er die Grenzen zwischen gleich großen Farbfeldern ins Wanken, erkundete die ,Geometrie der Farbe‘, und alles schien zu schweben, war leicht und frisch. Fünf Jahre später stellte er eine Katalogmappe unter den Titel ‚lapidar‘ vor, der von seiner Sehnsucht herrührte, in einer komplex und undurchdringbar gewordenen Welt die einfachen Dinge als Grundbausteine des Lebens zu begreifen. Seine Heimatstadt hatte Rudorf 1989 verlassen, seither wohnt und arbeitet er in Berlin, blieb aber — auch durch Ausstellungen — mit Hof ständig in Verbindung.“

Über die Preisträgerin Lena Ader

Auch Lena Ader, die mit dem Förderpreis ausgezeichnet wird, lebt in Berlin. Sie wurde 1988 in Heidelberg geboren und studierte Freie Kunst an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alster/Bonn. Im Katalog heißt es: „Die Jury im Wettbewerb zum Armin-Sandig-Preis reagierte mit Überraschung und Faszination auf ihre drei Gemälde zu einem Thema, mit dem sie sich seit 2012 beschäftigt. Zwei ihrer drei eingereichten Bilder gehören zum Zyklus ‚Vernichtung‘, das dritte zur Serie ‚Das müde Tier‘. Gemeinsam sind ihnen die aquarellartige Malweise und die farbliche Reduktion, vor allem aber verbindet sie, dass stets Frauen agieren oder ‚agiert werden‘. Es ist, wie schon der Titel ‚Vernichtung‘ andeutet, stets Gewalt im Spiel, doch handelt es sich nicht um reale Gewalt, vielmehr werden Vorgänge gezeigt, die keinen direkten Bezug zur Wirklichkeit haben und also auch keine klare Botschaft vermitteln. Lena Ader selbst sagt, sie wolle innere Zustände sichtbar machen, ihre Motive erzeugten Ambivalenz und verweigerten eine eindeutige Interpretation. Beim Betrachter bewirken sie nach Ansicht der Jury emotionale Anteilnahme, Verstörung — und eben auch Faszination.“

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