Dokument 2

Schreiben an Stadtrat vom 26. Januar 1920

"An den hochwohllöblichen Stadtrat der Stadt Hof
Betreff: Judenhetze

Dem hochwohllöblichen Stadtrat bitte ich Nachfolgendes mit dem gleichzeitigen Ersuchen entsprechender Würdigung ergebenst vortragen zu dürfen. Eine schmachvolle Hetze gegen die deutschen Juden hat seit dem unglücklichen Ausgang den der Krieg für uns zeitigte, eingesetzt. Sie wird von denen propagandiert, die mit dem Rufe ‚Sieg oder Niederlage‘ das deutsche und auch andere Völker ins Unglück führten. Diese Tatsache ist bereits vor der Geschichte festgestellt. Mit der von diesen Kreisen betriebenen Judenhetze wollen sie die Schuld von sich auf Andere abwälzen, durch Verwirrung und noch größeres Elend die Massen zermürben, um schließlich wieder die Macht an sich reißen zu können. Es ist hier nicht der Platz diese Frage eingehender zu würdigen. Hier möchte ich nur feststellen, daß leider auch in unserer Stadt mit allen Mitteln gegen die Juden gehetzt wird; dies wird auch gewiß einer Anzahl von Mitgliedern des hochwohllöblichen Stadtrats bekannt sein. Die Form der Hetze schließt eine Selbstverteidigung aus, da die Urheber nicht genügend Mut aufweisen, persönlich hervorzutreten. Ich bedaure es außerordentlich, daß sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde bisher nicht veranlaßt sah beim Stadtrat Protest gegen dieses unsaubere Treiben zu erheben. Unter ca. 40000 Einwohnern leben am hiesigen Platze ca. 70 Juden, d.h. 1/6 vom Hundert der Bevölkerung, die soweit mir bekannt in anständiger Weise ihren Berufen nachgehen. Ich stelle die Frage, ob es dem hochwohllöblichen Stadtrate nicht möglich sein wird, die Ehre und das Ansehen dieser Wenigen besser zu schützen? Die bisher unter der Decke schwelende Hetze besteht seit Monaten darin, daß man speziell auch an meine Schaufenster fast wöchentlich kleine oder größere bedruckte Zettel, wüsten antisemitischen Inhalts anklebt. Mit 7 Brüdern wurden wir 1914 zur Fahne einberufen, einer erlitt den Heldentod, ein zweiter schmachtet schon seit Jahren in französischer Gefangenschaft, ein dritter kehrte krank zu seiner Familie zurück. Mein Vater machte 1870 den Krieg gegen Frankreich mit. Wir alle, und ich glaube wohl jeder Jude den deutsche Erde gebar erfüllte seine vaterländische Pflicht genau so gerne, als seine christlichen Volksgenossen. Jeder anständige Jude wird mit der gleichen Hingabe wie seine christlichen Volksgenossen bereit sein am Wiederaufbau unseres Vaterlandes mitzuhelfen. Verbunden mit diesem für mich selbstverständlichen Pflichten, leite ich aber auch das Recht her, von den Behörden zu verlangen, meine Ehre gegen derartige gemeine Hetzen zu schützen, besonders aber gegen solche, die geheimen Brutstätten entstammen. Mir liegt das Wohl unserer Notleidenden ganz gewiß mehr am Herzen, als den Kreisen die gegen mich hetzen, weil ich als Jude geboren bin und die glauben die Liebe zum Vaterland für sich gepachtet zu haben. Ich warne den hochwohllöblichen Stadtrat mit entsprechenden Maßnahmen nicht zu warten bis es zu spät ist. Ich zweifle keinen Moment daran, daß der hochwohllöbliche Stadtrat in seiner Gesamtheit dieses Treiben scharf verurteilt und Mittel finden wird, diese Hetzer dingfest zu machen um sie der gerechten Strafe zuzuführen. Ich erlaube mir noch die Bitte aussprechen zu dürfen, die Materie in einer öffentlichen Stadtratssitzung zur Sprache zu bringen.

Mit ergebenster Hochachtung

Max Franken

Nota Bene: Auf den in No. 22 des Hofer Anzeiger unter Bayreuth erscheinenden Artikel ‚antisemitische Bewegung‘ erlaube ich mir hinzuweisen.“
(Schreiben des Max Franken, Hof, an den Stadtrat Hof vom 26. Januar 1920 (in: Stadtarchiv Hof, A 2928)

 Dokument 1: Antijüdische Ausschreitungen 1515
Dokument 3: Antisemitische Hetze in der Bayerischen Ostmark vom 4.-6.6.1938

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