Das Rathaus
Das Hofer Rathaus hat einen idealen Standort, auch wenn es nicht - wie
dies in manch anderer Stadt der Fall ist - der absolute geografische Mittelpunkt
ist. Es muss sich die Gunst des Betrachters teilen mit
St. Michaelis. Genau
genommen bilden beide eine Einheit, auch wenn die breite Ludwigstraße sie
trennt. Es ist ein freundliches Rathaus mit einer zweifarbigen Fassade und einem
schlanken Turm, das aber im Laufe der Jahrhunderte mehrfach sein Gesicht
veränderte.
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Im Jahre 1562 war das alte Rathaus abgebrochen worden, weil die Ratsherren
das Stadtbild verschönern wollten. Der Neubau entstand nach den Plänen des
bekannten Baumeister Nickel Hofmann aus Halle im Stile der Renaissance. In
seiner ursprünglichen Form blieb das Rathaus erhalten, auch wenn es 1625
ausbrannte. Der Wiederaufbau war erst Zug um Zug nach dem 30-jährigen Krieg
möglich und erfolgte im Barockstil. 1690 aber wurde der Turm erneut ein Opfer
der Flammen. Er erhielt eine neue Form: Man erhöhte ihn durch ein Glockenhaus
und schuf den Umgang, von dem man auch heute noch einen schönen Rundblick auf
die Stadt hat. Beim
großen
Stadtbrand von 1823 lag das Rathaus direkt neben dem Brandzentrum. Es fiel
dem Flammenorkan zum Opfer. Aber die aufgehenden Mauern und Gewölbe blieben
stehen. Sie wurden beim Wiederaufbau erhalten, wenngleich sich auch der Stil
wandelte: der Architekt Georg Erhard Saher entschied sich für neugotische
Ausschmückungen. Das Hofer Rathaus diente später sogar als Vorbild für das
Rathaus der thüringischen Stadt Weimar, das allerdings reichere Formen aufweist.
Bei dem Bestreben, das Renaissance-Rathaus des Nickel Hofmann in ein gotisches
Bauwerk umzugestalten, begnügte sich Saher freilich nicht mit den waagrechten
Abschlüssen, die der Zackenkranz auf dem Turm und dem Gebäude betonte, sondern
er ließ auf den Wandflächen noch reichlich gotische Ornamente anbringen. Die ist
besonders auf der Seite zur Ludwigstraße auffällig. Hier ist auch das frühere
Stadtwappen, allerdings ohne die schildhaltenden "Wilden Männer"
angebracht.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Renovierung unerläßlich, der der
neugotische Zackenkranz zum Opfer fiel. Der Grund: Die Dachrinne hinter ihm
leitete bei Schnee und Eis das Wasser nicht genügend ab, so dass die Enden der
Dachbalken und Sparren völlig vermorscht waren. Aus Kostengründen wurden die
beiden Erker und der Turm mit runden Hauben gedeckt. Gleichzeitig konnte im
oberen Geschoss der große Raum zu einem Sitzungsaal für den Stadtrat umgestaltet
werden.
Der schlanke Rathausturm kann an Werktagen während der Sommermonate bestiegen
werden (Schlüssel am Informationsschalter im Rathaus oder bei der Tourist-Information).
Die Ludwigstraße an der Ostseite des Rathauses bietet ein sehenswertes Bild
herrlicher Bürgerhäuser aus der Biedermeierzeit.